John Wieners   Schmutz unter meinen Nägeln
»Ich versuche das Peinlichste, Beschämendste zu schreiben, das mir einfällt«, antwortete John Wieners einmal auf die Frage nach seinem poetischen Konzept. Obwohl er Charles Olson und dessen Black Mountain School als seinen poetischen »Ziehvater« anerkannte, entwickelte er rasch einen ganz eigenen, persönlichen Stil. In seinen bekenntnishaften, nichts verschweigenden Gedichten bedient er sich eines Vokabulars aus sämtlichen Kulturbereichen: Slang trifft auf hoch stilisierte Sprache, Jazz geht Hand in Hand mit Slogans aus der Fernsehwerbung, Junkiesprache und Bargespräche werden mit Berichten aus der Boulevardpresse zu einem wilden, alle Grenzen sprengenden Cocktail gemixt, der das Lebensgefühl der Zeit und Wieners’ persönliche, tragische Ambivalenz gegenüber seiner Homosexualität auf eine unmittelbare, berührende und oft verstörende Weise spiegelt.

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